Frühstück im Grünen

Vision zum Frühstück I Claudia Quick I 105 x 95 x 80 I Rasen, Erde, Holz, Lack, Lampen

Interpretation zu ÉDOUARD MANETs „Das Frühstück im Grünen (Le Déjeuner sur l’herbe),
ursprünglich „Das Bad“ (frz. Le bain), 208×264,5, 1863, Musée d’Orsay, Paris

Am ersten Tag suchten über 7000 Besucher den „Salon des Refusés“ auf, so auch dass ursprünglich 214 x 270 cm messende Gemälde mit dem damaligen Titel „Le Bain“ („Das Bad“).

„Flotter Vierer“ („Le partie carée“) war ein Titel Manets für das Werk. Was war Manets Intention?
Götter gegen existierende Menschen, junge, zeitgenössische Pariser im modischen Gehrock mit Halstüchern, Bohemien-Kappe, Spazierstock und Uhrkette. Es wird vermutet, er wollte Unterschiede betonen und die Renaissance ins Heute übersetzen. Vier Personen, ein flotter Vierer, zwei Damen nahezu nackt, mit zwei vollbekleideten Männern. Personen, die unterschiedliche Dinge zu tun scheinen. Die grobe Modellierung der Figuren und Objekte, das Skizzenhafte im Auftrag wichen von der Norm ab, Malweise und Motiv irritierten.

Manet wurden Schwächen in Komposition, Perspektive und Anatomie vorgeworfen. Die Figuren sind aber in einem geometrischen Gerüst mit Fluchtlinien eingeschrieben, die Gründe gestaffelt. Malweise und Sujet von Manets „Frühstück im Grünen“ geht in eine neue Richtung. Dunkle und helle Farben sind gleichmäßig aufgetragen mit einer zweidimensionalen Wirkung. Die Umrisse wirken hart, die Übergänge sind nicht durch Zwischentöne kaschiert. Victorine Meurant wirkt beleuchtet, in hellen Farben dargestellt. Sie blickt den Betrachter des Werkes direkt an. Unklar bleibt, ob die drei Personen im Vordergrund nun miteinander reden, einander zuhören, oder scheinbar ohne Interaktion bleiben. Sie kommunizieren nicht miteinander, wirken arrangiert in einer Leere.

In der Interpretation „ Vision zum Frühstück“ von Claudia Quick wird die Szenerie aus Manets Werk abstrahiert. Quick setzt vier gleichartige bewegbare Lampen auf einen Quadratmeter echten Rasen. Der begrenzte Raum in Manets Werk bildet Zweidimensionalität ab, erfährt durch die objekthafte Darstellung die dritte Dimension.

Vier Personen, acht Arme. Identische Lampen mit stringenter Form bilden die Basis der objekthaften Interpretation. Stellvertretend für die Personen, ein „Flotter Vierer“ („Le partie carée“). werden die gleichförmigen Lampen gleichgeschaltet.

Wer ist der Protagonist in dieser Szene?

Die vier Personen sind auf vier Elemente fokussiert, gleichartig, ohne Unterschied im Geschlecht oder in der Art der Bekleidung. Interessant ist, dass Manets Werk im „Salon des Refusés“ ausgestellt wurde, während gleichzeitig Alexandre Cabanels „Venus“ von Napoleon angekauft wurde. Eine sich geradezu exhibitioniere Venus erregte keinen Anstoß, weil sie eine Venus war, kein Mensch wie selbstbewusste Victorine Meurant in Manets Werk, sondern eine mythologische Fik­tion.

Vier gleichartige Objekte, Victorine strahlt Selbstbewusstsein aus und blickt den Betrachter des Werkes direkt an, objekthaft verfügbar in Begleitung angezogener Männer. Der Ausflug ins Grüne ist über alle Zeiten ein Thema der Industrialisierung und Verstädterung. Industrialisierung und Digitalisierung macht den Menschen immer ähnlicher. Die Natur bleibt unbeherrschbar in ihrer beeindruckenden Ästhetik, der Mensch aber wirkt arrangiert. Die Technik ist hier statisch, starr, begrenzt, abhängig, trotzdem flexibel und veränderbar, im Gegensatz zur Natur, symbolisch der Rasen, frei, stark und unbeugsam.

Ausstellung mit der Künstlergruppe REFLEX im Stadtmuseum Kamen 2019. Zur Ausstellung wurde ein Katalog erstellt.